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Die Aufsplitterung der Kunst in Medien
1977: Zweite thematische Ausstellung - Fünfter Teil der Serie „documenta als Ort politischer Kunst”
Wie keine andere documenta zuvor wird die kommende aus dem Blickwinkel politischer Fragestellungen vorbereitet. Deshalb gehen wir in einer zehnteiligen Serie der Frage nach, inwieweit die documenta schon früher ein Ort politischer Kunst war.
Die documenta\x0f6 (1977) knüpfte da an, wo Harald Szeemanns Ausstellung von 1972 aufgehört hatte. Hatte die documenta\x0f5 nach den Bildwelten gefragt, wollte die von Manfred Schneckenburger geleitete documenta\x0f6 die Kunst unter dem Blickwinkel der Medien betrachten.
Dieses Konzept führte in eine Sackgasse, auch deshalb, weil zu der Zeit sich die Künstler nicht mehr auf ein einzelnes Medium festlegen ließen. So führte der thematische Ansatz zur Aufsplitterung der Kunst. Auch stimmte die Behauptung nicht, die Künstler hätten in den 70er-Jahren die Medien stärker reflektiert als in den 60er-Jahren. Gleichwohl war die documenta\x0f6 besser als ihr Ruf. Sie stellte die Fotografie und das Video als künstlerische Medien vor und gab einen vorzüglichen Überblick über die Skulptur im öffentlichen Raum.
Schneckenburger und sein Cheftheoretiker Lothar Romain hatten eine thematische, aber keine politische documenta gewollt. Politisch wurde sie auf Umwegen - über einzelne spektakuläre Beiträge. Den inhaltlich brisantesten lieferte Joseph Beuys, der unter Installation einer Honigpumpe als Symbol für den Kreislauf in der Gesellschaft das Modell einer Freien Universität ausprobierte.
Hochpolitisch war außerdem das große Wagnis, Staatskünstler der DDR (Willi Sitte, Werner Tübke u.\x0fa.) in Kassel zu präsentieren. Die Maler Georg Baselitz und Markus Lüpertz zogen daraufhin ihre Werke ab. Immerhin war dadurch eine Öffnung vollzogen, von der auch die DDR-Kunst profitierte. Ähnlich wie bei der documenta\x0f5 entwickelte sich eine politisch gefärbte Diskussion über die Rolle der Kunst. Den Anlass dazu boten zwei Großprojekte - die Bohrarbeiten zu Walter de Marias „Erdkilometer” und Richard Serras Stahlplastik „Terminal”, die beide den Volkszorn entfachten.
Nächste Woche: Rückkehr ins Museum und Öffnung zur Gesellschaft
HNA 1. 3. 2007
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