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International erfahrener Kurator
Der Niederländer Rein Wolfs übernimmt zum 1. Januar 2008 die Leitung der Kunsthalle Fridericianum
Der Nachfolger für Kunsthallen-Direktor René Block (65) ist gefunden: Der Aufsichtsrat der documenta GmbH berief den Niederländer Rein Wolfs (Jahrgang 1960), der Ausstellungsleiter am Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen ist. Der Kunsthistoriker Wolfs, der neben seiner Muttersprache Deutsch perfekt beherrscht, wird zum 1. Januar in Kassel beginnen. Sein Vertrag läuft bis Ende 2011.
Die erste Ausstellung, mit der Wolfs seine Visitenkarte abgeben wird, soll im September 2008, unmittelbar vor der Museumsnacht, eröffnet werden. Vorher wird im Fridericianum die Jeröme-Ausstellung „König Lustik!?“ (19. 3.- 29.6. 2008) gezeigt. Dann soll im 1. Stock eine Klimaanlage eingebaut werden. Über seine Kasseler Pläne wollte Rein Wolfs gestern auf telefonische Anfrage noch nichts sagen. Im Moment sei er in der Schlussphase zur Vorbereitung zweier Ausstellungen, so dass er den Kopf noch nicht frei habe. Außerdem, so Wolfs zur HNA, müsse er erst mit Künstlern klären, was er wann im Fridericianum präsentieren könne.
Wolfs ist ein ausgewiesener Kenner der aktuellen internationalen Kunst. Er hat verschiedentlich mit renommierten Institutionen wie dem Witte de With in Rotterdam, an dem auch Catherine David tätig war, und der Generali-Foundation (Wien) zusammengearbeitet. Von 1996 bis 2001 war Wolfs Gründungsdirektor und Kurator des Migros Museums für Gegenwartskunst in Zürich. Dort war er für den Aufbau einer ansehnlichen Sammlung zuständig und organisierte Ausstellungen mit Künstlern wie Christine Hill, Olaf Nicolai, Olivier Mosset, Maurizio Cattelan, Atelier van Lieshout, John Baldessari. Douglas Gordon und Juan Munoz.
Ein Ausstellungsprojekt mit dem thailändischen Künstler Rirkrit Tiravanija trug den Titel „Das soziale Kapital“. Darin steckte eine Auseinandersetzung mit der Migros-Handelskette, die dem Museum seinen Namen gegeben hat, und eine Anspielung auf das Werk von Joseph Beuys. Für Wolfs ist nur solche Kunst von Interesse, die auch gesellschaftliche Fragen berührt.
Oberbürgermeister Bertram Hilgen meinte als Vorsitzender des documenta-Aufsichtsrates, Rein Wolfs werde „die viel beachtete und erfolgreiche Arbeit der Kunsthalle Fridericianum auf künstlerisch hohem Niveau fortsetzen. Mit dieser Berufung habe man einen exzellenten Kenner der modernen Kunst gewonnen.
Kommentar
Mit hohem Anspruch
Das lange Warten hat sich gelohnt. Dank der Findungskommission wurde für die Kunsthalle Fridericianum ein vielversprechender Ausstellungsleiter gefunden. Von Rein Wolfs, der auch schon Kurator für den niederländischen Pavillon in der Biennale von Venedig war, kann man ein vielseitiges und an der aktuellen Szene orientiertes Programm erwarten. Seine größte Herausforderung wird darin bestehen, für die Ausstellungen eine größere Öffentlichkeit zu gewinnen.
Stadt und Land, die den documenta-Aufsichtsrat gemeinsam tragen, haben sich mit der Berufung von Wolfs in die Pflicht genommen: Wer einen so erfahrenen Kurator nach Kassel holt, muss ihm auch die Arbeitsmöglichkeit geben. Das heißt: Die Spiele mit den Etat-Umfängen müssen ein Ende haben.
HNA 29. 8. 2007
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