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Bewußtseinsbildung im Visier
Die jüngste Ausstellung im Studio Kausch, die dem politisch engagierten Künstler Siegfried Neuenhausen gewidmet ist, hat etwas Programmatisches für dieses „Forum für Kunst und visuelle Kommunikation“. Das Studio Kausch, das in diesen Tagen auf sein dreijähriges Bestehen zurückblicken kann, versteht sich natürlich in erster Linie als eine Galerie, die aktuelle Tendenzen der bildenden Kunst vorstellt. Vorrangig war und ist jedoch der Versuch, Beiträge zur Bewußtseinsbildung über gesellschaftliche und politische Bestrebungen zu liefern. So gewannen die Ausstellungen mit gezielt politischen Inhalten immer stärkeres Gewicht.
Werner Kausch, selbst befähigter und anerkannter Künstler, hat darüber hinaus zahlreiche Vorstöße unternommen, den engen Rahmen der traditionellen Kunst zu sprengen, um neue Publikumskreise zu eschließen. Die Freiluft-Ausstellung „Politische Grafik“ auf dem Friedrichsplatz während der documenta 5 war in dieser Richtung ebenso wegweisend wie seine Beteiligungen an den verschiedenen Kunstmärkten.
Die Arbeiten Neuenhausens sind genau auf dieser Linie einzuordnen. Sie berufen sich nur
in den wenigsten Fällen auf einen isolierten Kunstbegriff. Sie verlangen nach allgemeiner
Auseinandersetzung. Neuenhausen schöpft sein Material aus der Wirklichkeit, die jedem gegenwärtig
ist: Elemente des klassischen Bildungsbewußtseins (gegen die griechische Militär-Diktatur)
werden ebenso verarbeitet wie Mittel der Werbung oder Dokumentation (Werbung und Sport). Neuhausens Kunst - im Studio Kausch vornehmlich Grafik - will bewußt machen. Das, was er meint,
spricht er direkt und eindringlich aus.
Die Qualität der Kunst erreicht Neuhausen über einen simpel anmutenden, aber erstaunlich wirksamen Trick. Immer wieder geht es ihm uns den Menschen. Entweder ist aber
dieser Mensch so deformiert, daß er kopflos erscheint, oder er ist zur Karikatur des einfältigen Wesens geworden. Strauß, vielfaches Opfer der politisch engagierten Künstler, ist hier kein drohendes Ungeheuer, sondern ein hinterlistig grinsender Kleinbürger im Knitter-Anzug.
Die Welt, zumal die menschliche mit ihren unmenschlichen Zügen, ist verformt und verstellt. Neuhausens Lust an der Satire und Groteske verschafft dieser kritischen Bloßlegung eine dennoch freundliche Verbindlichkeit.
HNA 14. 4. 1973
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